Prozess-Theater: Zwei Monitore – null Fluss
- Natascha Schwemmle

- 10. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Kennst du das Bild? Alle sehen beschäftigt aus, die Monitore glühen – und trotzdem kommt nichts sichtbar an. Genau das nenne ich Prozess-Theater: Aktivität statt Ergebnis.
Heute drehen wir die Bühne: weg vom „busy“, hin zu Fluss, kürzerer Durchlaufzeit und weniger Übergaben.
Was ist Prozess-Theater?
Arbeit wirkt produktiv, weil viel gleichzeitig passiert: fünf Tabs offen, zwei Meetings parallel, drei Tools im Spiel.
In Wahrheit verlängern sich Wartezeiten, Übergaben knirschen – und Entscheidungen hängen in der Luft. Ergebnis: langsame Durchlaufzeit, Qualitäts-Schleifen, Frust.
Die drei typischen Symptome
Viele Übergaben, wenig Verantwortung: „Dafür bin ich nicht zuständig – das macht XY.“
Unsichtbare Wartezeiten: Aufgaben liegen in Chats/Inbox/„in Prüfung“.
Große Stapel, große Risiken: Je größer die Batch-Größe, desto mehr Rückfragen und Rework.

Woran messen wir echten Fluss?
Durchlaufzeit (Lead Time): Auftrag bis Ergebnis.
Bearbeitungszeit (Cycle Time): echte Arbeitszeit ohne Warten.
WIP (Work in Progress): wie viele Dinge gleichzeitig laufen.Merksatz: Weniger WIP → kürzere Durchlaufzeit → bessere Planbarkeit.

Mein 5-Schritte-Quickstart für dich
Engpass finden (15 Min.)
Whiteboard/Miro: Liste alle Schritte eines typischen Vorgangs (z. B. „Angebot freigeben“). Markiere, wo Aufgaben regelmäßig warten (Person, Tool, Regel?).Frage: Worauf warten wir am längsten – und warum?
Übergaben halbieren (15 Min.)
Nimm den Engpass-Prozess und streiche jede zweite Übergabe:
Zusammenlegen statt weiterreichen (z. B. Erstellen und Erstprüfung im Tandem).
Eine Quelle (Single Source of Truth) statt Datei-Kopien.
Status sichtbar machen (To Do / In Arbeit / In Prüfung / Done – mit Namen).
DoD – Definition of Done (10 Min.)
Kurze Checkliste, wann „fertig“ wirklich fertig ist:
Datei liegt im offiziellen Ordner (Link).
Version/Datum stimmen.
Verantwortlich gekennzeichnet.
Abnahme erfolgt (Name, Zeitstempel).DoD spart Ping-Pong und macht Qualität messbar.
Kleine Takte, kleine Pakete (10 Min.)
Große Brocken in Mini-Ergebnisse schneiden (max. 1–2 Stunden je Paket).Vorteil: schnelleres Feedback, weniger Rework.

Fluss-Board aktivieren (10–20 Min.)
Ein simples Kanban: Spalten = To Do / In Arbeit (WIP max. 3 pro Person!) / Warten auf / Done.Täglich 10 Minuten Flow-Stand-up:
Was blockiert?
Was heute über die Linie?
Weniger ziehen als man denkt – WIP-Grenzen halten.

Meine 5 Säulen für mehr Effizienz gegen Prozess-Theater
Erwartung
Klarer Auftrag: Ziel, Deadline, Qualität (DoD) in einem Satz.
Rollenkarte: Wer entscheidet? Wer liefert zu? Wer prüft?
Struktur
Ein Ort. Ein Link. Keine Duplikate.
Einheitlicher Dateiname: Bereich_Thema_v1.7_2025-11-07.
Kurzes Changelog an der Vorlage (Was? Warum? Ab wann?).
Priorisierung
Heute-Liste pro Person (max. 5 Items).
FIFO, außer Chefsache: Dann klar labeln – und anderes aktiv parken.
Proaktivität
Blocker melden mit Option: „Die Freigabe fehlt. Vorschlag: Zwischenfreigabe für Abschnitt A bis 15 Uhr – dann sende ich raus.“
Eskalation leise, aber wirksam: Info → Bitte → Entscheidung (neutral, faktenbasiert).
Kommunikation
Status sichtbar statt „habe ich geschickt“.
Übergaben asynchron mit Mini-Checkliste („Handover-3“: Kontext, Stand, nächster Schritt).
Keine Attachments in Mails/Chats – nur Link zur Quelle.
Mini-Templates (für dich zum direkten Kopieren)
DoD – Definition of Done (Kurz)
✅ Datei im offiziellen Ordner: [Link]
✅ Version/Datum korrekt
✅ Verantwortlich: [Name]
✅ Abnahme durch: [Name, Zeit]
Handover (Übergabe in 60 Sekunden)
Kontext: Worum geht’s, Ziel, Frist
Stand: Was ist erledigt, offene Punkte
Nächster Schritt: Konkret, wer, bis wann
Rollenkarte (Tandem)
Owner: [Assistenz/Vorgesetzte:r]
Mitwirkung: [Namen/Teams]
Freigabe: [Name, Stufe 1] / [Name, Stufe 2]
SLA: Erstreaktion 24 h, Final 72 h
Eskalation (neutral, Stufe 1–3)
Stufe 1 – Info: „Kurzer Status: Wir warten seit 2 Tagen auf X. Geplanter Go-Live 20.11.“
Stufe 2 – Bitte: „Bitte Freigabe bis morgen 12:00, sonst verschiebt sich der Versand auf 22.11.“
Stufe 3 – Entscheidung: „Ohne Freigabe bis 12:00 entscheide ich auf Basis Version 1.7 und dokumentiere die Abweichung.“

Beispiele: Übergaben halbieren – so geht’s konkret
Freigaben bündeln: Erstprüfung im Tandem, finale Freigabe nur einmal – nicht drei Runden.
Vorlagen entkoppeln: Eine Master-Vorlage mit Verantwortlichen & Changelog; alles andere verweist per Link.
Serien-Tasks takten: Z. B. Rechnungen täglich 15:00–15:30 statt „irgendwann“. Rhythmus schlägt Dauerstress.
Häufige Einwände – und kurze Antworten
„Wir brauchen die zweite Prüfung.“ → DoD schärfen -> Wann definieren wir als fertig?, Risiko senken, nicht Prüfungen verdoppeln.
„Alle warten auf die Cheffreigabe.“ → Vertretungsregel + Schwellenwert (nur > X € oder externe Publikationen).
„Zu viele Tools.“ → Tool-Pflicht definieren: Wofür Chat, wofür Task-Board, wo die Quelle liegt.
Dein 7-Tage-Mini-Plan
Tag 1: Engpass benennen, Durchlaufzeit schätzen.
Tag 2: DoD schreiben (5 Zeilen).
Tag 3: Fluss-Board aufsetzen, WIP-Limit einführen.
Tag 4: Vorlagen zentralisieren, Links tauschen.
Tag 5: Handover-3 verpflichtend testen.
Tag 6: Übergaben um 50 % reduzieren.
Tag 7: Retrospektive: Was hat die Durchlaufzeit spürbar verkürzt?
Fazit: Prozess-Theater endet, wenn Arbeit sichtbar fließt: weniger gleichzeitig, klarere Übergaben, echte Definition von „fertig“. Mit meinen 5 Säulen aus der Tandemexzellenz© wird daraus Alltag – nicht Ausnahme.
Du willst Unterstützung bei der Umsetzung? Lass uns kennenlernen!
Herzlich - Deine Natascha





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