Rollenklärung im Tandem: So wird aus „Entlastung“ echte Zusammenarbeit
- Natascha Schwemmle

- 6. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Warum dieses Thema so oft unterschätzt wird
„Kannst du das kurz übernehmen?“ ist ein harmloser Satz – und gleichzeitig der Startpunkt vieler stiller Überlastungen im Arbeitsalltag. Nicht, weil Unterstützung falsch wäre, sondern weil oft nicht geklärt ist, was Unterstützung eigentlich bedeutet und wo Verantwortung beginnt oder endet.
In vielen Tandems wird Entlastung mit „mehr Aufgaben für die Assistenz“ verwechselt. Das funktioniert kurzfristig, weil es Dinge vom Tisch bekommt. Mittel- bis langfristig erzeugt es aber genau das Gegenteil von Entlastung: Unklarheiten, Reibung, Frust und das Gefühl, für alles zuständig zu sein, ohne wirklich entscheiden zu dürfen.

Unterstützung vs. Unterordnung: der entscheidende Unterschied
Unterstützung heißt, gezielt zu entlasten – mit klaren Spielregeln. Die Assistenz übernimmt Aufgaben, für die sie das Mandat, die Informationen und die Entscheidungsspielräume hat. Verantwortung bleibt dort, wo sie hingehört, und wird nicht stillschweigend verlagert.
Unterordnung entsteht, wenn Verantwortung faktisch bei der Assistenz landet, ohne dass Entscheidungsrechte oder Prioritäten geklärt sind. Dann wird organisiert, koordiniert und repariert – oft neben dem eigenen Tagesgeschäft. Das fühlt sich nach Engagement an, ist strukturell aber unfair und auf Dauer nicht tragfähig.
Der Satz, der hier viel trennt, lautet: Unterstützen heißt nicht: alles übernehmen.
Die drei Klärungsfragen, die jedes Tandem sich stellen sollte
Rollenklärung beginnt nicht mit Organigrammen, sondern mit drei sehr praktischen Fragen im Arbeitsalltag:
1. Verantwortung: Wofür trägt die Assistenz fachlich Verantwortung – und wofür bleibt die Führungskraft verantwortlich, auch wenn Aufgaben delegiert werden?
2. Entscheidung: Was darf die Assistenz selbst entscheiden und finalisieren – und wo braucht es eine explizite Freigabe?
3. Priorität: Wer entscheidet, was jetzt wirklich wichtig ist, wenn alles gleichzeitig drückt?
Wenn diese drei Fragen nicht geklärt sind, entsteht ein Graubereich. In diesem Graubereich landen dann genau die Themen, die später zu Überlastung, Missverständnissen oder Konflikten führen.

Die Mandat-Matrix: ein einfaches Praxis-Tool
Ein hilfreiches Werkzeug aus der Praxis ist eine einfache „Mandat-Matrix“. Sie klärt pro Aufgabentyp:
Wer entscheidet final?
Wer bereitet vor und setzt um?
Wer trägt das Risiko, wenn etwas schiefgeht?
Ich will dir drei typische Beispiele aus dem Arbeitsalltag nennen:
Reisebuchungen: Die Assistenz organisiert, bucht und koordiniert – aber nur innerhalb klar definierter Budgets und Rahmenbedingungen. Entscheidungen über Ausnahmen oder Mehrkosten bleiben Führungsaufgabe.
Meeting-Entscheidungen: Die Assistenz strukturiert Agenden, bereitet Unterlagen vor und moderiert Abläufe. Inhaltliche Entscheidungen oder Priorisierungen bleiben bei der Führungskraft.
Budgetthemen: Die Assistenz bereitet Zahlen auf und überwacht Budgets. Freigaben über definierte Schwellen hinaus brauchen eine dokumentierte Entscheidung der Führungskraft.
Diese Klarheit schützt beide Seiten: Die Assistenz vor impliziter Verantwortung ohne Mandat – und die Führungskraft vor dem Irrtum, Verantwortung „abgegeben“ zu haben, die sie faktisch weiter trägt.
Warum echte Entlastung nur mit klaren Rollen entsteht
Viele Tandems versuchen, Entlastung über Tempo zu lösen: schneller arbeiten, mehr abfangen, mehr parallel machen. Das ist anstrengend und nicht nachhaltig. Echte Entlastung entsteht, wenn klar ist, wer wofür zuständig ist, wer entscheidet und wer Prioritäten setzt.
Rollenklärung wirkt unspektakulär, hat aber enorme Wirkung: weniger Rückfragen, weniger Reibung, mehr Verbindlichkeit und vor allem weniger „Feuerwehr-Einsätze“ im Alltag. Das Tandem arbeitet strukturierter, ohne dabei an Flexibilität zu verlieren.

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Wie Tandemexzellenz© hier ansetzt
In der Tandemexzellenz©-Begleitung starten wir genau an diesem Punkt: Wir machen Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsräume sichtbar und verbindlich. Nicht theoretisch, sondern anhand eures konkreten Arbeitsalltags. Ziel ist nicht mehr Kontrolle, sondern mehr Entlastung durch Klarheit – für beide Seiten.
Viele Tandems erleben schon nach kurzer Zeit, dass sich ihr Alltag ruhiger anfühlt, obwohl objektiv nicht weniger Aufgaben da sind. Der Unterschied liegt in der Struktur.
Fazit
Entlastung entsteht nicht dadurch, dass eine Person immer mehr übernimmt. Entlastung entsteht, wenn Rollen, Verantwortung und Entscheidungsräume klar sind.
Anders gesagt: Ohne klare Rollen wird Entlastung zur Dauerbaustelle. Oder wie wir Schwaben sagen: „Jetzt mach’mer’s g’scheit – oder gar net.“
Herzlich - Deine Natascha




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